Die Observantin

 

Einsatz zu dieser Tageszeit... ein gewohntes Ereignis für die in Jeans, einem Pullover und einer Lederjacke eingekleideten jugendlich wirkenden zweiunddreissig-jährigen Observantin. Sie hatte mit einem Kollegen ein Objekt – auch Personen sind Objekte - zu observieren und in diesem Fall war dies reine Routine... dachte sie...

Sie sassen in ihrem Auto, sie auf der Beifahrerinnen-Seite, und warteten auf ein Zeichen des Objekts... sie mussten herausfinden, wohin sich dieses bewegt und allenfalls auch mit wem es sich unterhält.

Wie schon oft in solchen Situationen war das Warten auf ein Ereignis die unangenehmste Zeit... mit ihrem Partner konnte oder wollte sie sich nicht unterhalten... was hatten sie sich denn schon zu sagen...

So schwieg sie und dachte in sich hinein... manchmal fühlte sie die Müdigkeit in ihrem Körper und das Bedürfnis zu schlafen schlich in kleinen Kreisen um sie... doch die Beobachtung hatte die grösste Wichtigkeit, auch wenn sie sich wieder einmal fragte, was der Sinn ihrer Tätigkeit denn ist... klar, sie hatte einen Beitrag zur Aufklärung und Festnahme zu leisten... aber wollte sie dies wirklich?...

So verging die Zeit in endlos langen Minuten und zäh anmutender Langweiligkeit im langatmigen Warten auf eine Aktion, die sie wieder in einen aktiv-aufmerksamen Zustand versetzen soll...

Die Beobachtung machte auch Hunger, so dass die männliche Begleitperson den Vorschlag machte, etwas Essen und Getränke zu holen... insbesondere Kaffee als Wachmacher oder doch eher als Wachhalter...

Sie musste nun die Beobachtung verstärken und ihre ganze Aufmerksamkeit auf jene Eingangstüre richten, aus der das Objekt kommen könnte... Wie wenn es so sein muss, öffnete sich in diesem Moment die Türe und das Objekt schlich sich heraus, wendete sich nach links und ging eilenden Schrittes in Richtung eines Autos, stieg auf der Beifahrerseite ein. Das Auto fuhr dann sofort weg... 

Sie hatte keine Zeit, die Nummer des Autos aufzuschreiben, liess aber über Funk an die Einsatzleitung wissen, dass besagtes Objekt in einem BMW Richtung Bahnhof davonfuhr...

Sie konnte natürlich nicht folgen, denn ihr Begleiter war noch nicht zurück vom Einkauf... also blieb sie, auch wenn sie dem Auto hätten folgen müssen...

Wunderbare Observation... war ihr nächster Gedanke und etwas in ihr sagte, dass sich der Einsatzleiter sicherlich sehr freuen wird, wenn sie ihm ihr Missgeschick erzählen mussten... 

Observation, was habe ich mir da nur eingebrockt...
 

Kurzgeschichten

© 2018 by Rolf Jud